Liberalisierung im europäischen Schienenpersonenfernverkehr: Neue Wettbewerber in bestehenden Märkten

 

(01. März 2010) Die Betreiber im europäischen Schienenpersonenfernverkehr stehen einer deutlich steigenden Wettbewerbsdynamik gegenüber. Neugründungen und ausländische Konkurrenten greifen die (ehemaligen) Staatsbahnen vermehrt auf ihren Heimatmärkten an. Im Schienenpersonennahverkehr intensiviert sich der internationale Wettbewerb. Sowohl für den Schienenpersonennahverkehr als auch für den Stadtverkehr auf Schienen erwartet SCI Verkehr eine Marktkonsolidierung.


Im Jahr 2009 lag die weltweite Transportleistung im Schienenpersonenverkehr bei rund 3,3 Billionen Personenkilometer und damit ungeachtet der Finanz- und Wirtschaftskrise auf dem Niveau von 2008. Die Verkehrsleistung setzt sich zusammen aus dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV; 850 Mrd. Pkm), dem Schienenpersonenfernverkehr (SPFV; 2.150 Mrd. Pkm) sowie dem Stadtverkehr auf Schienen, bestehend aus Metro und Straßenbahn (290 Mrd. Pkm). Die einzelnen Weltmarktregionen reagierten auf die Krise unterschiedlich: Während in der GUS und Osteuropa im Eisenbahnpersonenverkehr ein Rückgang um bis zu 10 % zu verzeichnen ist, fällt dieser in Westeuropa mit weniger als 2 % geringer aus. Wachstumstreiber sind China und Indien. Der Stadtverkehr auf Schienen verzeichnet bei der Verkehrsleistung deutliche Einbrüche in der GUS, während er in Westeuropa und Asien weiter gewachsen ist.


Das Aufbrechen der europäischen SPFV-Märkte führt zu einer Wettbewerbsdynamik durch neue Betreiber und ausländische Konkurrenz, die sich auf einzelne Strecken mit hoher Rentabilität konzentrieren. Die strategische Ausrichtung von privaten Betreibern wie NTV in Italien oder der Westbahn in Österreich ist dabei auf einen erhöhten Fahrgastkomfort durch Rollmaterial und Service ausgerichtet. Die deutsche Neugründung locomore rail zielt dagegen hauptsächlich auf ?niedrige Preise bei vergleichbarer Qualität? ab.


Im europäischen SPNV besteht Wettbewerb insbesondere in Großbritannien, Deutschland und Schweden sowie in den Niederlanden und Dänemark, während in den weiteren Ländern nur vereinzelnd Verkehrsleistungen ausgeschrieben werden. Neben privaten Betreibern treten über Tochtergesellschaften auch vermehrt die (ehemaligen) Staatsbahnen international auf.


Im SPNV und im Stadtverkehr auf Schienen erwartet SCI Verkehr eine Konsolidierung des Marktes. Mit dem Zusammenschluss der Unternehmen Veolia und Transdev ist diese bereits eingeleitet und wird durch Sondierungsgespräche zur Fusion der beiden großen Konkurrenten Arriva und Kéolis weiter vorangetrieben. Durch die kleinteilige Betreiberstruktur im Stadtverkehr auf Schienen und den politischen und finanziellen Herausforderungen von Zusammenschlüssen wird der Konsolidierungsprozess mindestens über das gesamte kommende Jahrzehnt andauern.


Das weltweite Marktvolumen aus Bestellerentgelten und Fahrgeldeinnahmen liegt bei rund 163 Mrd. EUR, wovon 68 Mrd. EUR im SPNV und 56 Mrd. EUR im SPFV umgesetzt werden. Über die Hälfte des Umsatzes im SPFV wird dabei von nur fünf Unternehmen erbracht, die ausschließlich in Westeuropa und Asien beheimatet sind.

Grafik: Weltweite Marktvolumina im Schienenpersonenverkehr

Mit der aktuellen MultiClient-Studie ?Markt- und Unternehmensanalyse des öffentlichen Personenverkehrs? bietet SCI Verkehr Betreibern, Investoren, Fahrzeugherstellern, Forschungseinrichtungen und Verbänden eine komprimierte Übersicht der gegenwärtigen Entwicklungen und Trends im globalen Schienenpersonenverkehr sowie eine eingehende Analyse der weltweit 200 wichtigsten Betreiber. Die aktuelle Studie setzt dabei auf der erfolgreichen Vorgängerstudie auf und erweitert deren ausschließlich europäischen Betrachtungsraum auf alle acht Weltmarktregionen, ohne dabei den Schwerpunkt Europa zu vernachlässigen.

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