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Weltweiter Schienenverkehr von gegensätzlichen Entwicklungen geprägt

Weltweit sank der Schienengüterverkehr im Jahr 2015 - erstmals seit der Finanzkrise - um 4,4%. So die aktuell vorgestellte Studie der SCI Verkehr „Rail Transport Markets – Global Market Trends 2016-2025“. Eine weitere Verringerung wird auch für das Jahr 2016 erwartet, wobei diese vor allem durch die geringe Nachfrage in großen Märkten wie China oder den USA bedingt wird. Doch die Perspektive gestaltet sich mittelfristig optimistisch: ab 2018 wird ein positives Leistungswachstum prognostiziert. Dagegen werden die Leistungen im städtischen Bahnverkehr sowohl kurz- als auch mittelfristig mit durchschnittlich mehr als 5% jährlich zwischen 2015 und 2025 stark wachsen.

Der Schienengüterverkehr hat im Jahr 2015 mit einer Abnahme von 4,4% im Vergleich zum Vorjahr ein Negativwachstum verzeichnet. Dieser Trend wird sich bis 2017 fortsetzen. Ursache ist der  nachlassende Transport von Kohle und Stahl aufgrund einer abgeschwächten Produktionstätigkeit sowie der Rückgang des internationalen Handelswachstums. Es ist zu befürchten, dass die  Transportnachfrage angesichts des wachsenden Protektionismus in verschiedenen Teilen der Welt negativ beeinflusst wird.
In Nordamerika hat der Kohletransport durch einen Wandel des Energiemix deutlich abgenommen. Das intensive Fracking in den USA hat auf dem Transportmarkt in den letzten Jahren zu einer Sonderkonjunktur geführt, die jedoch den Rückgang der Nachfrage am Kohlemarkt nicht vollständig kompensieren konnte. Mit dem sinkenden Ölpreisniveau verliert die Transportnachfrage nach Erdöl aktuell an Dynamik und wird langfristig durch den Bau von Pipelines weiter negativ beeinflusst werden.
Asien wird vom chinesischen Transportmarkt dominiert, welcher im Bereich des Schienengüterverkehrs schrumpft. Ursachen dafür sind steigende Tarife im Schienengüterverkehr in den letzten Jahren, während parallel die Straßeninfrastruktur mit Autobahnen stark ausgebaut wurde, wodurch die Attraktivität des Straßengüterverkehrs deutlich zugenommen hat. Darüber hinaus hat auch in der chinesischen Energiepolitik ein Umdenken weg von der Kohle eingesetzt, das die Transportnachfrage bedeutend negativ beeinflusst hat. Die jüngsten chinesischen Bestrebungen, die Luftqualität nachhaltig zu verbessern, kann auch eine Verschiebung des Modal Split zugunsten der umweltfreundlicheren Schiene bewirken. Inwiefern entsprechende politische Weichenstellungen stattfinden und ob diese in der Lage sein werden die sinkenden Kohletransporte auf der Schiene zu kompensieren, ist aktuell noch unklar.

Grafik SGV

Im Gegensatz zum Schienengüterverkehr ist der städtische Bahnverkehr seit 2010 schnell gewachsen. Ein Nachlass dieses Wachstums wird vor 2020, wenn viele Metro- und Straßenbahnsysteme fertiggestellt sind, nicht erwartet. Netzerweiterungen, vor allem der Bau neuer Linien in Städten, die zuvor kein städtisches Bahnsystem hatten, sind der Hauptantrieb in der Entwicklung von Stadtbahnen. Ein Beispiel hierfür ist China, wo die Stadtbahnsysteme zwischen 2005 und 2015 von weniger als 1.000 km auf mehr als 3.000 km um das Dreifache gewachsen sind. Weitere Investitionen sind geplant. Aktuell sind 4.450 km Strecke an schienengebundenen Stadtverkehrsnetzen im Bau oder bereits in Betrieb. Hohe Wachstumsraten werden auch in Süd- und Mittelamerika erzielt. Wichtige Verbesserungs- und Erweiterungsprojekte finden momentan in den größten Märkten Brasilien, Argentinien und Chile statt. Das Wachstum wird zudem auch in kleineren Märkten durch neue Systeme untermauert, so zum Beispiel die Umsetzung von Metroprojekten in Quito, Panama City und Lima.

Der Schienenpersonenverkehr hat in den letzten Jahren eine konstant positive Entwicklung gezeigt, obwohl die Trends in den Regionen der Welt sehr unterschiedlich sind. Während Leistungen im Schienenpersonenverkehr der GUS-Staaten, Osteuropas sowie Afrikas und des Mittleren Ostens signifikant abgenommen haben, sind diese in Asien sowie in Süd- und Mittelamerika schnell gewachsen. Die Erweiterung von Hochgeschwindigkeitsnetzen, vor allem in China, und die zunehmende Anzahl von Leistungen z.B. in den Ballungsräumen Südamerikas haben zu diesem Trend beigetragen. Beflügelt wird der Schienenpersonenverkehr gerade in reifen Märkten wie Westeuropa oder Nordamerika auch durch ordnungspolitische Maßnahmen, welche den PKW-Verkehr im Interesse von Umwelt und Lebensqualität zu reduzieren versuchen.  

Insgesamt befinden sich die Schienenverkehrsmärkte im Wachstum. Zwischen 2005 und 2015 fand  in allen drei Segmenten: Schienengüter-, Schienenpersonen-, und Stadtverkehr ein Wachstum statt. Trotz kurzfristiger bzw. regionaler Volatilitäten ist das Gesamtbild positiv: die Verkehrsvolumina waren im Jahr 2015 bedeutend höher als noch im Jahr 2005. Ein langfristiges Wachstum wird auch weiterhin in allen Segmenten erwartet, jedoch kurzfristig mit verschiedenen Geschwindigkeiten.