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Eigentümerstruktur wandelt sich in wachsendem aber volatilem Markt für Güterwagen

Leasinggesellschaften, und nicht mehr die Bahnen selbst, beschaffen zunehmend Güterwagen in Europa, Nordamerika oder der GUS. Im Vergleich der  Leitmärkte dominieren allein in Asien noch die Bahnbetreiber als Eigentümer und Besteller ihres Wagenfuhrparks. Die weltweite Nachfrage nach neuen Güterwagen erholt sich nach Rückgängen in den letzten Jahren und wird in den nächsten Jahren mit durchschnittlich knapp 3% wachsen. Dieser ist allerdings ein Durchschnittswert, in den unterschiedlichen regionalen Märkten sind stark auseinanderfallende  Nachfragezyklen zu verzeichnen. So konnte ein Zwischenhoch in Nordamerika 2015 die massiven Nachfragerückgänge in Russland und China annähernd kompensieren. Während nun in Nordamerika der Markt wieder abkühlt, ziehen die Beschaffungen in Russland und China wieder an. Im Gegensatz zu anderen Segmenten des  Schienenfahrzeugmarkts reagiert die Güterwagennachfrage sehr prompt auf konjunkturelle Veränderungen und die daraus resultierenden Abweichungen der Transportnachfrage. In der aktuellen Studie „Freight Wagons – Global Market Trends“ analysiert SCI Verkehr die jeweiligen Entwicklungen in den unterschiedlichen Marktregionen.

Das Neugeschäft von Güterwagen umfasste im Jahr 2016 ein Volumen von etwa 10,5 Mrd. EUR und lag damit mehr als 0,5 Mrd. EUR unter dem Wert von 2014. Im Vergleich der Schienenfahrzeugsegmente weltweit nehmen die Güterwagen nicht nur die größte Stückzahl sondern auch das größte Umsatzvolumen ein. Die weltweiten wichtigsten Märkte für Güterwagen sie sind traditionell Nordamerika, die GUS sowie Asien, in denen 80% der weltweiten Flotte beheimatet sind und welche mehr als 85% aller Neubeschaffungen realisieren. Der After-Sales-Markt übersteigt mit einem Volumen von 15,7 Mrd. EUR das Neuwagengeschäft deutlich und wird sich auch zukünftig mit durchschnittlich 2.4% pro Jahr positiv entwickeln.
Die GUS - bis 2013 noch der größte Markt für Neufahrzeuge weltweit– befindet sich derzeit auf weniger als einem Drittel des Rekordvolumens von deutlich mehr als 5 Mrd. EUR in den Jahren 2011/2012. Hauptgrund ist der Einbruch der Transportleistung infolge des Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine. Nach der Privatisierung von Großteilen der einstigen Staatsbahnflotte und der Etablierung einer Vielzahl von Leasinggesellschaften befindet sich der GUS-Markt nun wieder auf dem Wachstumspfad, allerdings deutlich unter dem einstigen Level.

Der nordamerikanische Markt indes erlebte ausgehend von einem extrem niedrigen Niveau im Jahr 2011 einen regelrechten Boom und wuchs mit durchschnittlich 20% jährlich, hauptsächlich angetrieben durch die hohe Nachfrage nach offenen Wagen (hauptsächlich für den Getreidetransport) sowie Kesselwagen infolge der vergleichsweisen schlechten Pipeline-Infrastruktur in einigen Landesteilen. Hauptkunden von Güterwagen in Nordamerika sind Leasingunternehmen, wobei sich der flottentechnisch stärkste Player TTX im Besitz der bedeutenden Class-I-Bahngesellschaften befindet.
Nach mehreren Jahren der Verlagerung von Transporten von der Schiene auf die Straße und der in der Folge sinkenden Verkehrsleistung auf der Schiene im Leitmarkt China erholt sich die Nachfrage nach neuen Güterwagen und führt zu einem wachsenden asiatischen Güterwagenmarkt. Zuletzt wurden Großaufträge für Flach-, Intermodal- und (gedeckte) Autotransportwagen vergeben. Zukünftiges Wachstum wird ebenfalls von den in Konstruktion befindlichen Dedicated Freight Corridors in Indien induziert.

Während in Nordamerika die Leasinggesellschaften traditionell einen sehr hohen Anteil an der Gesamtflotte haben, steigt auch deren Bedeutung im europäischen Markt seit Jahren kontinuierlich. Derweil die ehemaligen Staatsbahnen unter dem Druck stehen, ihre Auslastung  steigern und ihre Assetkosten senken zu müssen und infolgedessen ihre Flotten reduzieren, stehen finanzstarke Leasinggesellschaften bereit, das nachgefragte moderne Rollmaterial dem hoch-kompetitiven Schienengüterverkehrsmarkt zur Verfügung zu stellen. Mittel- bis langfristig erwartet SCI Verkehr eine Angleichung der Bestände zwischen Betreibern und Leasinggesellschaften.

Während die Hersteller in Russland und Nordamerika, mit Ausnahme von Auslandsbeteiligungen, fast ausschließlich für ihre Heimatmärkte produzieren, wendet sich der chinesische Hersteller CRRC neben der Bedienung des Heimatmarktes zunehmend dem weltweiten Export von Wagen zu. Die europäische Herstellerlandschaft steht weiter im Zeichen der Konsolidierung, letzter Meilenstein in diesem Prozess war die Verschmelzung des rumänischen Herstellers Astra Rail mit dem Greenbrier Europe/Wagony Swidnica.

Die Marktstudie „Güterwagen – Weltweite Marktentwicklungen“ ist ab 19. Dezember 2017 in englischer Sprache bei der SCI Verkehr GmbH erhältlich.