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Die Hoffnungen in der weltweiten Bahnindustrie ruhen auf wachsender Instandhaltung

Mit 2,3% Wachstum im Mittel der kommenden fünf Jahre scheint auf den ersten Blick alles ok im weltweiten Bahnmarkt. Doch die mit Spannung erwartete Studie „Worldwide Market for Railway Technology“, welche das auf Bahn spezialisierte Beratungsunternehmen SCI Verkehr alle zwei Jahre zur Innotrans veröffentlicht, zeigt im Detail jedoch deutliche Unterschiede zu den Vorjahren: Während das Neugeschäft mit nur 1,3% durchschnittlicher Wachstumsrate wesentlich an Dynamik verloren hat, übernimmt in Zukunft das After-Sale-Geschäft den Löwenanteil des Umsatzes und die Führung beim Zuwachs – eine Trendwende auf leisen Sohlen.

Der Umsatz im weltweiten Bahnmarkt wächst – jedoch langsamer als im Neubauboom der vergangenen 20 Jahre. Waren damals Wachstumsraten von 3–5% eine solide Annahme, wird der Gesamtmarkt von heute 169 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 besonders durch das steigende Instandhaltungsgeschäft wachsen. Erstmals liegt über die Hälfte (53%) des weltweiten Umsatzes im After-Sales-Markt – eine Konsequenz aus der intensiven Neubautätigkeit der Vergangenheit. „Viele Kernprodukte des Bahnsystems haben eine Lebensdauer von 30 Jahren und mehr. Eine initiale Investition in einen neuen Zug oder eine neue Strecke führen im Lebenszyklus des Produkts zur Verdopplung bis Verdreifachung der Ausgaben. Davon profitiert in besonderer Weise die Zulieferindustrie sowie die Werkstätten für Instandhaltung“ erklärt Maria Leenen, Geschäftsführerin der SCI Verkehr. Insbesondere die verhalteneren Investitionspläne in China bremsen das Wachstum im Neugeschäft aus, so Leenen weiter. „Darüber hinaus erfüllen sich die Hoffnungen auf eine stärkere Nachfrage aus Russland und Brasilien keineswegs – Indien, der Nahe wie Mittlere Osten oder auch die Türkei sind mit stärkeren Fragezeichen zu sehen“.  

Doch es gibt auch im Neugeschäft Gewinner: Erst jetzt erreicht die durchgängige  Digitalisierung von Produkten und Prozessen die Bahnsysteme. Da auf diese Weise wesentliche Effizienzsprünge möglich werden, erwartet SCI Verkehr hier besondere Wachstumsimpulse bei Bahnbetreibern und Herstellern: Nur mit zeitgemäßen  Prozessstrukturen, einer optimierten Auslastung von Ressourcen und der Reduktion von Life-Cycle-Costs können die Bahnen im Wettbewerb mit anderen Verkehrsträgern bestehen. 

Asien bleibt – trotz zurückgegangenem Wachstum – der größte Regionalmarkt mit einem Marktvolumen von 51,6 Milliarden Euro. Die größte Dynamik zeigt der immer noch kleine Markt in Afrika / Naher Osten mit 7,1% Wachstum pro Jahr.

Der Umsatz des Bahnmarktes in Westeuropa liegt aktuell bei 44,4 Milliarden Euro. Hervorzuheben ist hier das stabile Wachstum von 3,2%, was laut SCI Verkehr vor allem durch steigende Investitionen in Schienenfahrzeuge und Elektrifizierungsprojekte zu erklären ist.

Detaillierte Analysen der Marktsegmenten und –Regionen, der Wettbewerbssituation und Entwicklung der Herstellerlandschaft liefert die Studie „Worldwide Market for Railway Technology“, die seit Mittwoch erhältlich ist.