19.03.09 | Die Mehrzahl der Unternehmen aus Transport, Spedition und Logistik schätzt ihre aktuelle Geschäftslage schlecht ein. Zumindest in einigen Bereichen macht sich aber vorsichtiger Optimismus breit. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind nicht mehr ganz so schlecht wie zuvor.
Die gute Nachricht zuerst: Die Geschäftserwartungen der Speditionsunternehmen, die beim Konjunkturtest des Münchner Ifo-Instituts befragt wurden, haben sich im Februar zum zweiten Mal in Folge verbessert. Die Umsatzerwartungen würden die Talsohle verlassen, heißt es. Dies nähre die Hoffnung auf eine Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte, lautet die Botschaft.
Auch die Marktanalysten der SCI Verkehr GmbH in Köln registrieren leicht optimistische Erwarten bei Transport- und Logistikunternehmen. Die Beratungsgesellschaft befragt monatlich 200 Branchenunternehmen. Demnach erwartet die Hälfte eine Konjunkturverbesserung ab Ende 2009.
Kein vorschnelles Aufatmen
Ein echter Aufwärtstrend beim Geschäftsklima sei allerdings kurzfristig nicht zu erwarten, relativiert SCI Verkehr gleich wieder. Grund ist die pessimistische Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage: Beim SCI-Logistikbarometer stufen 68 Prozent der Befragten die aktuelle Lage als schlecht ein.
Die Umsätze sind teilweise dramatisch eingebrochen. „Die Transportumsätze verringerten sich in den vergangenen drei Monaten bei 80 Prozent der Unternehmen“, heißt es bei SCI. Dem ifo Institut gegenüber verwiesen 74 Prozent der Befragten auf gesunkene Erlöse. Auch die Preise fallen weiter.
Trotzdem wollen die Unternehmen in diesem Jahr wieder ihre Leistungsvielfalt erhöhen, hat die SCI-Umfrage ergeben. Bei den derzeitigen Erlöseinbrüchen wird jede Nachfrage bedient, ohne Rücksicht auf die Rendite. Für 2009 erwarten 57 Prozent der Unternehmen eine Rendite unter 2 Prozent.
Die Lage im deutschen Straßengüterverkehr spitzt sich hingegen zu. Dies ist den Ergebnissen der aktuellen Konjunkturumfrage des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) unter 600 Unternehmen zu entnehmen. Noch nie gab es so schlechte Umfragewerte bei Fuhrparkkapazitäten, Fahrpersonalbestand und Fahrzeugauslastung wie für das vierte Quartal 2008, teilte der BGL am Dienstag mit.
Kapazitäten angepasst
Der Umfragewert für die Betriebsergebnisse war der schlechteste seit fast vier Jahren. Demnach haben 24 Prozent der befragten Unternehmen im Schlussquartal des vergangenen Jahres ihren Fuhrpark und 27 Prozent ihren Fahrpersonalbestand reduziert. 52 Prozent bewerten ihr Betriebsergebnis angesichts sinkender Umsätze und zurückgehender Fahrzeugauslastung als „schlecht“.
Für die ersten sechs Monate dieses Jahres sehen viele Unternehmen schwarz. Fast 44 Prozent wollen ihren Fuhrpark und fast 46 Prozent ihren Fahrpersonalbestand reduzieren.
„Obwohl dies die schlechtesten Umfragewerte sind, die wir je ermittelt haben, steht uns das Schlimmste wohl noch bevor“, befürchtet BGL-Hauptgeschäftsführer Prof. Karlheinz Schmidt. Er rechnet bis zum Sommer mit dem Verlust von 60 000 bis 70 000 Arbeitsplätzen in der Transportlogistik.