Alstom wächst in Deutschland rasant(19.09.2006) Alstom wächst in der Bahntechnik in Deutschland schneller als erwartet. Das Unternehmen profitiert vor allem von einem Großauftrag der Deutschen Bahn. "Wir hatten Anfang des Jahres das Ziel ausgegeben, in zwei bis drei Jahren 500 bis 600 Mio. Euro Umsatz in Deutschland zu erwirtschaften. Jetzt sieht es aus, als schafften wir schon im laufenden Geschäftsjahr ein Auftragsvolumen von rund 500 Mio. Euro", sagte der zuständige Alstom-Vorstand Philippe Mellier am Montag in Berlin. Damit würde das Auftragsvolumen binnen Jahresfrist um über 50 Prozent zulegen. Geholfen hat dem Konzern zuletzt unter anderem ein Großauftrag der Deutschen Bahn für Regionalzüge im Wert von 160 Mio. Euro. Dabei verdient Alstom gut. Zuletzt habe die operative Marge bei 6,3 Prozent gelegen, sagte Mellier. "Damit liegen wir sehr deutlich vor unseren Wettbewerbern." Die wichtigsten Konkurrenten in der Bahntechnik sind Siemens und Bombardier, beide ebenfalls sehr stark in Deutschland. Noch vor drei Jahren sah die Lage bei Alstom anders aus. Damals war der französische Staat bei dem Konzern eingestiegen, um das Unternehmen, das auch im Energiesektor stark ist, vor dem Konkurs zu retten. Nachdem die Trendwende geschafft war, hat Frankreich seine Anteile im Frühjahr an den Baukonzern Bouygues weitergereicht. Wettbewerber setzen auch auf Eigenregie Mellier zeigte sich selbstbewusst, künftig noch mehr in Deutschland verkaufen zu können. "Wir sehen gute Chancen, die nächste Generation unserer Hochgeschwindigkeitszüge in Deutschland zu verkaufen. Wir werden dabei keine Kooperation mit Siemens eingehen", sagte der Manager, der 2003 aus der Autoindustrie zu Alstom geholt worden war. Die deutschen ICE-Schnellzüge werden bisher von einem Konsortium aus Alstom, Bombardier und Siemens entwickelt. Auch die Wettbewerber haben zuletzt durchblicken lassen, dass sie lieber alleine Schnellzüge entwickeln wollen, die sie individuell an die Bedürfnisse eines Landes anpassen. Mellier verwies auf die deutlich geringeren Kosten des französischen TGV, an dessen vierter Generation Alstom arbeitet. Sowohl Anschaffung als auch Unterhalt seien beim TGV deutlich günstiger. Zahlen wollte Mellier nicht nennen. Forschungsausgaben für Signaltechnik angekündigt Neben Investitionen in Hochgeschwindigkeitszüge, bei denen Alstom sich als Weltmarktführer sieht, kündigte Mellier größere Forschungsausgaben für Signaltechnik an. In beiden Segmenten rechnet er mit wachsender Nachfrage aus China und Russland, in einigen Jahren auch aus Indien. "Die Orders, vor allem aus Asien, laufen gut", sagte am Montag auch Michael Clausecker, Geschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie. Wie schon 2005 würden voraussichtlich auch im laufenden Jahr die Auftragseingänge aus dem Ausland höher liegen als die inländischen. Ab Dienstag trifft sich die Branche zur Messe Innotrans in Berlin. Deutschland ist für die Bahntechnik einer der wichtigsten Abnehmer, aber auch Produktionsstandort. Asien wird zum Markt der Zukunft Die Aufträge für Bahntechnik kommen in den nächsten Jahren vermehrt aus Asien. "Jetzt verlagert sich das Wachstum der Bahnmärkte auf die Regionen China, Indien, Russland und Südamerika", sagte Burkhard Schuchmann, Partner des Finanzinvestors One Equity Partners, bei einer Bahn-Konferenz in Berlin. Schuchmann, Ex- Chef des Bahntechnikherstellers Vossloh, verwies auf eine Studie der Beratungsfirma SCI Verkehr. Demnach entfallen am Dienstag noch 40 Prozent des weltweit 97 Mrd. Euro schweren Bahntechnikmarkts auf Europa. Der asiatische Markt ist mit 20 Mrd. Euro nur halb so groß. Der Region sagen Experten bis 2011 aber Wachstumsraten von vier bis sechs Prozent bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge, Signaltechnik und Schienenwegen voraus. Dagegen werde die Nachfrage in Westeuropa nur um ein bis zwei Prozent wachsen. Quelle: Financial Times Deutschland, 19.09.2006 |
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