GE attackiert Siemens im Bahngeschäft

Quelle: FTD 27.09.2010

Der US-Konzern General Electric will mit seinen Dieselloks Europa erobern. Doch dazu müsste er die jahrzehntealten Kundenbeziehungen zwischen den großen Bahngesellschaften und alteingesessenen Herstellern wie Siemens aufbrechen.

von Leo Klimm  Berlin

"Wir möchten uns unbedingt in Europa etablieren", sagte Lorenzo Simonelli, Chef von GE Transportation, der FTD. Der Siemens -Rivale ist in der Bahnbranche vor allem als Hersteller von Diesellokomotiven für den Güterverkehr bekannt. "Unser Ziel ist, dass die Betreiber ihre Dieselflotten auf GE-Lokomotiven umstellen", sagte Simonelli. Er begründete seine Hoffnung damit, dass er zuletzt 30 Lokomotiven des Typs Powerhaul an den britischen Schienenlogistiker Freightliner verkaufen konnte. Nun soll der Schritt nach Kontinentaleuropa gelingen.GE Transportation rangiert unter den Fahrzeugherstellern auf Platz sechs - einen Rang hinter Siemens.

In den USA dominiert GE das Geschäft mit Güterloks, in Europa ist der Konzern in der Bahntechnik ein Nobody.

Simonellis Ankündigung ist eine Kampfansage an Siemens und die anderen etablierten Hersteller Alstom, Bombardier, Vossloh und Voith. Einer Schätzung der Beratung SCI Verkehr zufolge liegt der jährliche Bedarf an Dieselloks in Europa bis 2015 bei 200 Stück. "Wir starten hier bei null, wir können nur gewinnen", so Simonelli.

GE  passt die sechsachsige, 21 Meter lange und fast 130 Tonnen schwere Powerhaul für Kontinentaleuropa an. Bis 2012 könnte sie hier zugelassen sein. "Wir sind in lebhaften Gesprächen mit Interessenten", so Simonelli. Erfahrungen mit ähnlichen Loks in Spanien zeigen, dass die schweren Zugmaschinen, die gut 3 Mio. Euro kosten, hohe Auslastungsquoten aufweisen.

Der Markteintritt dürfte für GE dennoch schwierig werden: Zum einen ist der Großteil der europäischen Strecken elektrifiziert, sodass mehr E- als D-Loks benötigt werden. Zum anderen haben die hiesigen Hersteller traditionell enge Geschäftsbeziehungen zu den großen Bahnen. Die Deutsche Bahn hat zudem gerade erst 170 Mio. Euro für neue Güterloks ausgegeben.

Während es in Europa für GE darum geht, andere Hersteller zurückzudrängen, fallen die Geschäfte in wachstumsstarken, rohstoffreichen Schwellenländern leichter: Erst am Freitag erhielt der Konzern aus Brasilien einen Auftrag über 115 Zugmaschinen im Wert von 261 Mio. Euro.

Weltweit will der Konzern 2010 stärker wachsen als die Industrie: Während die Branche etwa fünf Prozent zulegt, erwartet Simonelli bei Umsatz und Gewinn ein Plus nahe zehn Prozent. Allerdings war der operative Gewinn der konjunkturabhängigen Sparte GE Transportation im Krisenjahr 2009 gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte auf 473 Mio. Dollar zusammengebrochen. Der Umsatz war von 5 auf 3,8 Mrd. Dollar gesunken.

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