Chinesische Zughersteller werden Weltmacht

Quelle: FTD 21.09.2010

Bei der Namensgebung haben die Chinesen nicht gerade viel Kreativität bewiesen. Dennoch wird Siemens im Ranking der Zughersteller hinter China North und China South zurückfallen - trotz stabilen Wachstums.

von Leo Klimm  Berlin

Auf dem Weltmarkt für Bahntechnik attackieren chinesische Hersteller die Vormachtstellung der Westkonzerne Bombardier , Alstom  und Siemens .
Zwar werden voraussichtlich auch die etablierten Unternehmen vom Branchenwachstum von jährlich fünf Prozent profitieren, das Experten bis 2013 erwarten. Am stärksten legen der Beratungsfirma SCI Verkehr zufolge aber die Zughersteller China South und China Northern zu - die ihre Umsätze seit 2005 schon verdoppelt haben. Ergebnis: Siemens rutscht im Ranking der Fahrzeugbauer hinter die Chinesen.

"Die großen drei wachsen zurzeit nur um etwa 2,5 Prozent. Das bedeutet, sie verlieren Marktanteile", so SCI-Chefin Maria Leenen. Hauptgrund ist, dass in China die weltweit größten Bahnprojekte entstehen. Das Land will bis 2020 allein 20.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke betreiben. Das kommt vor allem einheimischen Firmen zugute, die ihr Know-how allerdings aus Kooperationen etwa mit Siemens  haben. Alle Westhersteller unterhalten Gemeinschaftsunternehmen, um am Chinaboom teilzuhaben.

Die Renaissance der Eisenbahn führt damit zu einer Verschiebung der Marktverhältnisse zugunsten Chinas. Weltweit werden Fern-, Nah- und Güterstrecken gebaut. Gründe sind Bevölkerungswachstum und Verstädterung in Schwellenländern, die Globalisierung und steigende Energiekosten.
Neben China setzen südamerikanische, arabische und afrikanische Länder verstärkt auf die Bahn. Auch die USA, bei Personenzügen ein Entwicklungsland, wollen stark investieren. In der Folge wird das jährliche weltweite Auftragsvolumen SCI zufolge von heute 131 Mrd. Euro auf 160 Mrd. Euro 2015 steigen. Das stärkste Wachstum wird für die nächsten drei Jahre erwartet. Danach soll es sich abschwächen, weil die in der Krise aufgelegten Konjunkturpakete nicht mehr wirken.

Da davon auch China betroffen ist, beschränken sich die billigen chinesischen Anbieter von Fahrzeugen, Systemtechnik und Bahnbau nicht mehr aufs eigene Land: In Südafrika verhandeln sie über den Bau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes für 24 Mrd. Euro. In Argentinien erhielten sie jüngst einen Milliardenauftrag. "Die Chinesen gehen erst mal in die Märkte, die für sie leichter zu erobern sind, und kreisen Europa langsam ein", sagt Leenen.

Für die europäischen Hersteller bedeutet der Aufstieg der Chinesen, dass sie auf Erfolge in den USA angewiesen sind. Dort treten sie gegen den US-Konzern General Electric  an, der selbst mit chinesischen Partnern zusammenarbeitet. Außerdem treffen sie auf Kawasaki. Der Hersteller des Shinkansen-Schnellzugs will jenseits des gesättigten Heimatmarkts expandieren.

Vom erwarteten Branchenwachstum dürfte das größte Segment Fahrzeugbau stärker profitieren als der Bahnbau oder die Systemtechnik, bei der Siemens Weltmarktführer ist.

Der deutsche Markt, der jährlich 8 Mrd. Euro groß ist, erlebt in den nächsten zwei Jahren eine Sonderkonjunktur. Dazu tragen ein Großauftrag der Bahn über bis zu 300 Fernzüge an Siemens und die Anschaffung vieler Regionalzüge bei.

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